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Schweizer Blasmusik-Dirigentenverband

Forschung

Weltweit erleben Musiker das «Streaming-Paradox»

21. April 2026
von Theo Martin
Eine neue Studie der Universitäten Oxford und Groningen zeigt, wie stark Streamingdienste und Soziale Medien die Musikwelt verändern.

Eine internationale Studie des Oxford Internet Institute und der Universität Groningen zeigt, dass Musikerinnen und Musiker weltweit mit denselben Herausforderungen konfrontiert sind wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den USA oder Grossbritannien: Dank Streaming war Sichtbarkeit noch nie so einfach – doch ein existenzsicherndes Einkommen bleibt für viele unerreichbar.

Für die Untersuchung wurden rund 1200 Musikschaffende in fünf Ländern – Brasilien, Chile, den Niederlanden, Nigeria und Südkorea – befragt. Die Forschenden sprechen von einem «Streaming-Paradox»: Während Streaming-Plattformen entscheidend für Reichweite und Relevanz sind, wächst zugleich der Druck auf Musikerinnen und Musiker, ständig Inhalte zu produzieren und ihre Online-Community zu pflegen. Besonders auffällig sind die länderspezifischen Unterschiede: In Nigeria bewerten 83 % ihre Karriereentwicklung seit dem Aufkommen von Streaming als positiv, in den Niederlanden lediglich 14 %.

Einnahmen aus Streaming: zentrale Ergebnisse

  • 77 % der befragten Musiker verdienen weniger als 10’000 € pro Jahr mit Musik; 83 % sind unzufrieden mit den Streaming-Tantiemen.

  • 81 % sagen, Streaming sei wichtig für ihre Karriere – aber weniger als die Hälfte meint, ihre Situation habe sich seit der Dominanz von Streaming verbessert.

  • Musiker mit niedrigem Einkommen halten Streaming am häufigsten für «äusserst wichtig» (55 %), während Besserverdienende es eher für «nicht besonders wichtig» halten.

  • Fast ein Viertel der Musiker (23 %) verbringt mehr als die Hälfte der Arbeitszeit mit Aufgaben wie Social-Media-Updates, Tourplanung oder Fan-Kommunikation – in Chile sind es sogar 30 %.

  • 69 % der Befragten geben an, heute mehr Zeit für Online-Promotion ihrer Musik aufzuwenden als vor wenigen Jahren.

  • 89 % der Musiker verwenden beim Online-Austausch mit Fans keine KI- oder Automatisierungstools.

  • Unter den fünf untersuchten Ländern sorgen sich niederländische Künstler am meisten über die wachsende Flut KI-generierter Musik auf Streaming-Plattformen, die mit menschlicher Kunst konkurriert.

«Streaming und soziale Medien tragen nur wenig zum Einkommen bei, verändern aber entscheidend, was es heute bedeutet, Musiker zu sein», erklärt Studien-Mitautor Dr. Robert Prey vom Oxford Internet Institute in dessen Mitteilung. «Dabei reagieren Künstlerinnen und Künstler weltweit sehr unterschiedlich auf diese Veränderungen.»

Der vollständige Bericht „Musicians at Work in the Platform and AI Era“ von Femke de Rijk und Dr. Robert Prey ist öffentlich über die Website des Oxford Internet Institute verfügbar, wie das Portal EurekAlert schreibt.

Größe: 9.20 mb