Eidgenössisches Musikfest
Zwischen Trommelwirbel, Gänsehaut und fünf Sprachen
Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nie. Für mich war das Eidgenössische Musikfest in Biel ein solcher Moment. Ich erhielt die grosse Ehre, an zwei von vier Festtagen die Marschmusik zu moderieren. Als klar wurde, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte, stieg meine Nervosität spürbar. Die Ansagen sollten in den vier Landessprachen der Schweiz sowie auf Englisch erfolgen eine schöne, aber durchaus anspruchsvolle Aufgabe.
Ich gebe offen zu: Nicht jede Aussprache klang so, wie sie wohl ein Muttersprachler gewählt hätte. Das sorgte hie und da für ein herzliches Schmunzeln. Wer einmal versucht hat, einen Marschtitel wie «Marsch über das Hirschgeweih / Cornes de Cert von Sebastien Pasche» auf Französisch anzusagen, weiss, dass dabei durchaus ungeahnte sprachliche Herausforderungen entstehen können. Ich schliesse deshalb nicht aus, dass die eine oder andere Musikgesellschaft mit einem Lächeln im Gesicht auf die Paradestrecke marschierte und genau das gehört doch auch zu einem solchen Fest.
Was mich jedoch am tiefsten berührt hat, war etwas ganz anderes.
Mit welcher Eleganz, Präzision, Disziplin und gleichzeitig mit welcher Freude jede einzelne Musikgesellschaft, jede Brass Band und jedes Blasorchester ihren Auftritt zelebrierte, war schlicht beeindruckend. Militärische Genauigkeit verband sich mit musikalischer Leidenschaft. Stolz, Konzentration und Freude waren in jedem Schritt, in jedem Blick und in jedem Ton spürbar.
Vielleicht ist genau das ein Stück Schweiz.
Man gibt sein Bestes. Man kämpft fair um eine gute Rangierung. Man freut sich über die eigene Leistung und ebenso ehrlich über den Erfolg der anderen. Der Wettbewerb verbindet mehr, als er trennt. Am Ende zählen nicht nur die Ranglisten, sondern vor allem die Begegnungen, die Gespräche, die gemeinsamen Erinnerungen und die Freundschaften, die entstehen.
Ganz besonders bewegend waren für mich jene Sekunden unmittelbar vor jedem Vortrag. Wenn der Befehl ertönt: «Vorwärts Marsch!» Dann verändert sich alles. Adrenalin durchströmt den Körper. Stolz erfüllt die Musikerinnen und Musiker. Wochen und Monate der Vorbereitung verdichten sich zu wenigen Minuten, in denen jeder Schritt und jeder Ton zählt. Diese Spannung ist mit Worten kaum zu beschreiben. Und danach folgen jene Augenblicke, in denen die Resultate bekannt gegeben werden.
Als Moderator durfte ich die erreichten Punktzahlen verkünden. Ich sah strahlende Gesichter voller Freude, aber auch Momente der Enttäuschung. Doch etwas beeindruckte mich immer wieder aufs Neue: Egal, wie das Resultat ausfiel die Musikantinnen und Musikanten standen als Team zusammen. Sie freuten sich gemeinsam oder trugen die Enttäuschung gemeinsam.
Aus jedem Ergebnis entstand innerhalb weniger Minuten wieder das Bewusstsein: Wir haben zusammen Grosses erlebt. Wir durften Teil eines eidgenössischen Festes sein. Wir haben gemeinsam musiziert, gelacht, gehofft und gefeiert.
Genau das macht den Wert solcher Anlässe aus.
Unvergessen bleibt für mich auch der erste Moderationstag. Während sich Biel eher wie ein Wintersportort präsentierte, stand ich mit Daunenjacke, Mütze und Handschuhen an der Strecke. Für einen kurzen Moment hatte ich tatsächlich das Gefühl, ich würde ein Skirennen kommentieren. Doch nein, es war die Marschmusik am Eidgenössischen Musikfest. Und gerade dieser Kontrast machte den Tag irgendwie unvergesslich.
Ich wünsche jedem Musikanten und jeder Musikantin, mindestens einmal im Leben ein Eidgenössisches Musikfest erleben zu dürfen. Nicht wegen einer Medaille oder eines Diploms, sondern wegen der Menschen, der Emotionen und des Gemeinschaftsgefühls. Weil man erfährt, was es bedeutet, gemeinsam für ein Ziel einzustehen, füreinander da zu sein und miteinander Erfolge ebenso wie Rückschläge zu tragen.
Ich bin zutiefst dankbar für all das, was ich in Biel sehen, hören, erleben und lernen durfte. Für die vielen Begegnungen, für die unzähligen Emotionen und für das Privileg, dieses grossartige Fest als Musiker und als Moderator miterleben zu dürfen.
Das ist gelebte Schweiz.
Das ist gelebte Eidgenossenschaft.
Und genau dafür möchte ich von Herzen einfach nur eines sagen:
Danke.