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Schweizer Blasmusik-Dirigentenverband

Juryberichte

Von «Trübungen» zu «deutlicher differenzieren»

25. April 2026
von Isabelle Gschwend
Die Interpretation von Juryberichten ist nicht ganz einfach. Aus Zeitgründen notiert die Jury oft nur knappste Hinweise, die dann vom Verein ausgedeutscht werden müssen.

Welche Bedeutung haben die Floskeln und Standardsätze in Juryberichten? Wie interpretiert man sie richtig und was nehmen die Vereine für ihre weitere musikalische Arbeit mit? Sind die in kurzer Zeit geschriebenen Juryberichte überhaupt aussagekräftig? Hier ein Versuch, der Essenz der Juryberichte auf die Spur zu kommen. 

 

Während und nach dem Vortrag steht der Jury nur wenig Zeit zur Verfügung. Daher sind die Notizen auf dem Jurybericht oft Standardsätze, nicht immer eindeutig, schlecht lesbar und oft nur mit dem nötigen Fachwissen verständlich. Als Dirigentin erkläre ich meinen Vereinen nach einem Wettbewerb stets, was die Jury gemeint hat, allenfalls auch gemeint haben könnte. Dabei helfen mir die Notizen in der Partitur, Tonaufnahmen, aber auch meine Kenntnisse und Erfahrungen als Jurorin. 

Einige Beispiele sind im Anhang zu finden

 

Diese Liste ist nicht vollständig.

 

Warum das Jurygespräch oft mehr bringt als der Bericht 

Die Berichte werden nach einem Wettspiel von allen Musikantinnen und Musikanten jeweils studiert und gelesen. Um einen Jurybericht richtig zu interpretieren, braucht es Know-how und Erfahrung. Und da frage ich mich immer: Wie machen es unerfahrene Dirigierende? Ist der Jurybericht in diesem Fall das richtige Werkzeug, um die Vereine zur Verbesserung zu motivieren?

 

Findet nach dem Wettspiel ein Jurygespräch statt, ist dies oft viel aufschlussreicher als der schriftliche Bericht. Wenn die Jurorin aus erster Hand erzählt und dies anhand konkreter Stellen in den Noten erklärt, wird das Feedback viel besser nachvollziehbar. Es wird auf einzelne Stellen eingegangen, die Vereine erhalten Tipps für die weitere Probenarbeit und offene Fragen werden geklärt. 

Als Jurorin versuche ich zu Beginn des Jurygesprächs, den Verein emotional möglichst gut abzuholen. Daher frage ich oft, wie der Vortrag gelaufen ist. War es eine Bestleistung oder ging vieles schief? So kann ich angemessen reagieren und den Schwerpunkt des Gesprächs sinnvoll legen. Nur bei einem positiven und wertschätzenden Gespräch kommt das Feedback beim Verein an. 

Eine erfreuliche Entwicklung ist, dass an vielen Musiktagen inzwischen Jurygespräche stattfinden. Ehrlicherweise muss jedoch erwähnt werden, dass nicht alle Juroren/Jurorinnen für eine qualitativ überzeugende Gesprächsführung ausgebildet sind. Es ist zu hoffen, dass sich dies in Zukunft verbessert und vielen Musikvereinen nicht nur das Bier, sondern auch das Jurygespräch als positiv, motivierend und bereichernd in Erinnerung bleiben wird.

 

Wie erlebt der Juror/die Jurorin den Musikwettbewerb?

«Als Jurymitglied muss man sehr schnell arbeiten und entscheiden. Multitasking ist erforderlich: Hören, schauen, Notizen machen, umblättern. Gerade bei Allegrosätzen ist eine Doppelseite in der Partitur sehr schnell vorbei. Folglich bleibt nicht viel Zeit für ausgefeilte Formulierungen. Oft bleibt nur Zeit für einzelne Begriffe oder Abkürzungen: Into, Rh, Zus. 

Nach dem Vortrag tauschen sich die Jurymitglieder kurz aus, um die Punktzahl abzugleichen. Danach verlässt man den Konzertsaal, geht in das Juryzimmer und schreibt einige Notizen auf das Juryblatt. Meist sind die Arbeitstage an kantonalen und eidgenössischen Festen sehr lang – von 8:30–21:00 Uhr. Am Eidgenössischen Musikfest kann es sein, dass man bis zu 30 Vereine beurteilt.» (Zitat: Hans-Peter Blaser).

Als Juror/Jurorin muss man immer gut hinhören, um die Nuancen und Unterschiede zwischen den Vereinen zu erkennen und im Gedächtnis zu speichern. Das braucht Konzentration und Energie. Die grösste Herausforderung besteht darin, sich stets in Erinnerung rufen, wie die Vereine gespielt haben, damit eine faire Rangliste entsteht.

 

Fazit

Ob schriftlicher Bericht oder persönliches Gespräch: Wichtig ist, den Vereinen für die Weiterentwicklung konkrete Tipps mitzugeben und ihren Einsatz mit einer wertschätzenden Haltung zu belohnen. Jurygespräche könnten dabei der Schlüssel sein, denn sie ermöglichen echten Austausch und konkrete Unterstützung. Zudem schaffen sie Verständnis, bauen Barrieren ab und bringen Jury und Verein auf Augenhöhe zusammen.

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