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Schweizer Blasmusik-Dirigentenverband

Atempause

Welche Übekultur pflegt ihr?

02. November 2026
von Isabelle Gschwend
Die Kolumne von BDV-Vorstandsmitglied Isabelle Gschwend behandelt das Thema Üben.

Die Atempause von isabelle Gschwend ist für das Maestro 4/26 entstanden, das dem Unisono vom November beiliegen wird.

Als Dirigentin starte ich nach den Ferien mit viel Motivation ins neue Konzertprogramm. Sorgfältig ausgewählte Stücke stehen an, die zum Üben motivieren sollen. Und ja, der erste Monat läuft super. Die Lernkurve ist steil, der Verein macht Fortschritte und die Proben machen Spass, weil es vorwärtsgeht. Ich denke mir: «Dieses Mal klappt es. Sie üben!»

Aber dann kommt es – das Plateau. Die Entwicklung stagniert, die Proben werden langwierig und das Konzert ist weit weg. Umso aktiver werde ich als Dirigentin. Eine Woche im Voraus informiere ich, was ich proben werde. Ich zeige Übestrategien, verrate, den perfekten Übetag (Tipp: der Tag nach der Probe), schwärme vom positiven Effekt des Übens usw. Doch leider ist das Übemuster stärker: Es reicht ja in den letzten zwei Wochen zu üben. Liebevoll werde ich beruhigt: «Das kommt schon! Bei uns ist es immer so! Am Schluss geht’s dann schon!» Dahinter steckt der weitverbreitete Irrglaube: Wenn ich die Noten kann, spiele ich gut.

Ich bin überzeugt, dass ein Umdenken nur durch das Aufbrechen dieser alten Übemuster möglich wird. Darum ist es wichtig, im Verein über die Übekultur zu diskutieren und neue Wege gemeinsam festzulegen.

Denn die investierte Übezeit bleibt dieselbe – egal, ob man sie in die letzten zwei Wochen zwängt oder kontinuierlich ab der ersten Probe übt. Der Aufwand ist der gleiche, aber das musikalische Ergebnis und die Freude in den Proben sind völlig anders. Warum also nicht gleich von Anfang an?

Isabelle Gschwend